Von Kandy nach Ella

Leider war die letzte Nacht in Kandy nicht ganz so erholsam. Mitten in der Nacht kamen vier Schwedinnen im Hostel an und dachten nicht einmal daran leise einzuziehen. Licht an, Licht aus, Tür auf, Tür zu, dann am besten noch Duschen und stundenlang reden. Am nächsten Morgen mussten wir uns von Lisa, den Eichhörnchen (wir hatten natürlich am Abend zuvor neue Babysitter organisiert) und Kandy verabschieden. Lisa schloss sich den Franzosen an und reiste mit ihnen nach Hatton. Mit dem Tuk-Tuk ging es frühzeitig zum Bahnhof, wo wir uns ein Ticket (ohne Sitzplatz) in der zweiten Klasse kauften. In Sri Lanka gibt es in den Zügen drei Klassen. Die Sitzplätze für die erste und zweite Klasse sind meist schon früh ausgebucht (besonders für die Fahrt von Kandy nach Ella) und in der dritten Klasse reisen hauptsächlich Einheimische. Da wir viel zu früh am Bahnhof waren, setzten wir uns irgendwo am Bahnsteig hin und beobachteten, wie immer mehr Touristen (hauptsächlich Asiaten mit ihren viel zu großen Koffern und Selfiesticks) am Bahnhof ankamen. Endlich fuhr der Zug ein. Wir hatten von anderen Reisenden gehört, dass das der Zeitpunkt ist, einfach loszurennen um noch einen Platz zu ergattern, aber das war gar nicht so einfach – da alle Anderen den selben Plan hatten. Außerdem war Kandy nicht der erste Stopp des Zuges, so saßen schon total viele Menschen im Zug. Letztendlich standen wir mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken gerade noch im Zug – also direkt an der „Türe“ – die bleibt nämlich während der gesamten Fahrt offen. Es war wirklich supereng im Zug, aber wir konnten unsere Rücksäcke trotzdem abstellen – was für ein Glück wir standen neben netten Asiatinnen. Als die Zugfahrt losging wurden alle ganz euphorisch und versuchten Fotos und Videos zu machen. Ich glaube die Asiatinnen haben die ganze Zeit nur durch ihr Handy nach draußen geschaut – eigentlich echt schade. Die Fahrt war doch ganz schön rasant und wir hielten uns gut fest, um nicht aus dem Zug zu fallen.

Nach ein paar Stunden stiegen die ersten Leute aus und wir hatten ein bisschen mehr Platz uns auszubreiten und setzen uns einfach auf den Boden. Überall kamen die Reisenden ins Gespräch und tauschten sich aus. Ein junger Schwede oder Holländer – weiß nicht mehr – auf jeden Fall Backpacker, traute sich als erster sich aus der Tür zu lehnen und setzte sich für eine Weile an die offene Tür. Ab und zu liefen Einheimische durch den Zug (ja durch die Menschenmengen durch – das sind die gewohnt) und verkaufen Eggrolls, Mangos oder Wasser. Als der Backpacker für eine Weile aufstand, um sich etwas zu essen zu kaufen, ergriffen wir die Chance und klauten uns seinen Platz. Es war wirklich mega sich einfach aus dem Zug zu lehnen, oder die Füße baumeln zu lassen. An allen Türen schauten Menschen aus den Fenstern und lachten sich zu. Neben uns waren ein paar einheimische Schüler und als wir durch die Tunnel fuhren schrieen wir im Dunkeln um die Wette. Wir fuhren vorbei an Flüssen, Teeplantagen und Wäldern – ab und zu winkten die Menschen, wenn wir an ihnen vorbei fuhren.

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